Freilandstauden oder Gewächshausschönheiten?

Ein paar kritische Gedanken zum Einkauf:

Schon wieder ist es passiert:

Man geht im frühen Sommer über den Markt, es lacht die Sonne, der bunte Trubel um einen herum fördert die Kauflaune und in null komma nix finden sich fünf wunderschön blühende Rittersporne, tadellos in Form und Farbe,  ja fast wie gemalt, in einer schicken Holzkiste wieder.

Man freut sich, genau die und keine anderen wollte man schon seit Jahren haben.

Am Nachmittag wird rasch gepflanzt, Blumenerde und ein bißchen Dünger sind noch da. Toll!

Genau so sollte es sein. Ein paar Tage, vielleicht auch zwei Wochen lang ist alles wunderschön. Dann bemerkt man den ersten trockenen Trieb, das Absterben der Blüten, andere Pflanzen scheinen ganz abzusterben, andere schieben lange Triebe aus.

Was ist das? Was habe ich falsch gemacht?

Gar nichts. Es waren nur die falschen Pflanzen. Zur Zeit ist es Trend, optisch wunderschöne Gewächse ‚herzustellen‘, sie verkaufen sich gut, genau wie Sie es getan haben. Das Auge wird verführt, der Wunsch geweckt.

Die Produktion solcher Pflanzen ist natürlich nicht so einfach.

Das Wetter im Freien ist für die Optimierung nicht geeignet, zu viel Regen in den Töpfen behindert die genau gesteuerte Flüssigdüngung, schließlich sollen die Pflanzen bis zum Verkaufstermin optimal ernährt sein. Auch pralle Sonne kann zu Verbrennungen führen, ein Glas- oder Foliendach sorgt für diffuses Licht.

Eine gesteuerte Bewässerung sorgt außerdem für immer genau optimierten Wasserhaushalt in der Pflanze. Schließlich soll sie es gut haben und schön wachsen.

Eine Blattlaus, ein wenig Mehltau….. ?

Oje, der ganze Bestand ist verseucht, in genau geregeltem Rhythmus werden die Pflanzen mit Insektiziden und gegen eventuelle Pilzkrankheiten mit Fungiziden behandelt.

Erlaubt ist es natürlich auch. Es ist eben ein großer Teil unserer Agrarproduktion.

Es geht auch in diesem Segment kaum anders, wer will schon optisch kranke Pflanzen kaufen?

Zwischenzeitlich wird noch ein wenig mit Wachstumshemmern gearbeitet, die natürliche Länge vom Rittersporn läßt sich schlecht verkaufen, zu lang, zu dünn, zu viel Abstand zwischen den einzelnen Blättern. Nun, es gibt genug Mittelchen, die für den kompakten Wuchs sorgen.

Auch die sind erlaubt.

Hmmm… Will man die Pflanzen gut verkaufen sollte man ein wenig früher damit auf den Markt kommen, als die Kollegen. Assimilationslicht verlängert die Tageslichtzeit und fördert eine frühe Blüte. Dazu die Düngung noch etwas verändern, damit die Pflanzen mehr zum Blühen angeregt werden. Auf geht’s.

Dann ist es so weit, die ganze Pracht ist verkaufsfertig.

In kürzester Zeit werden die Pflanzen sortiert, verpackt, geladen zum Großmarkt oder zur Versteigerung kutschiert.

Dort geht es ruck zuck weiter zu den Gartencentern, Märkten, Einzelhändlern und innerhalb weniger Tage sind die schönen Pflanzen bei Ihnen zu Hause.

Dann zeigt sich, was in ihnen steckt.

Regen, Trockenheit? Die armen Burschen kennen das gar nicht. Sie waren immer optimal versorgt, was sollen sie mit Überschuss oder Unterversorgung machen?

Eine Laus? Es kommt keiner, um sie zu schützen.

Pilzkrankheiten? Das Gleiche.

Und dann die Ernährung: Was fällt es ihnen schwer, aus dem natürlichem Angebot zu nehmen, sie hatten es schließlich besser gehabt, waren mit dem Optimum versorgt worden. Und nun? Selbst wählen und suchen?

Und die brennende Sonne. Oje, keiner denkt an den Schutz, schließlich sind es Freilandpflanzen. Was vorher war, weiß doch keiner. Sonnenschutzcreme nützt auch nichts, am besten wäre ein Schattiernetz.

Aber auf dem bunten Schild ist eine Sonne gedruckt….

Brandflecken sind nicht ungewöhnlich.

Sollten die Prachtexemplare das alles überlebt haben und sich wirklich angestrengt akklimatisiert haben, kommt die nächste Überraschung. Was in den Töpfen nur 40 cm hoch und schön kompakt war, schiebt sich plötzlich bis auf 1,60 Meter in die Höhe und überragt alles.

Nun ja, die Wirkung des Stauchmittels ist irgendwann zu Ende und die normale Höhe ist eben 1,60 Meter.

So ist das mit dem Trend.

Oft ist es besser, einen Plan zu machen, sich wirklich Gedanken über die Wunschpflanzen und Sorten zu machen.

Lieber im Frühjahr kleine, gerade austreibende Stauden, im Sommer und Herbst zurückgeschnittene Pflanzen, aber sortenecht und relativ natürlich kultivierte Pflanzen kaufen und einsetzen. Sie entwickeln sich dann im Garten unter natürlichen Bedingungen, kommen leichter mit der Umgebung zurecht, sind im allgemeinen viel widerstandsfähiger, als die verwöhnten Schönheiten aus den Treibhäusern und erfreuen Sie über Jahre hinweg.

Auch die Staudengärtner arbeiten mit Pflanzenschutzmitteln, ganz ohne geht es kaum bei den zu erzielenden Preisen, aber es wird nur eingesetzt, wenn es wirklich notwendig ist. Die Pflanzen wachsen im Freien heran, lernen, mit dem zurechtzukommen, was sich ihnen bietet. Eine kleine Laus oder ein heftiges Regenschauer lassen sie nicht gleich erzittern.

Ihre richtige Schönheit entfaltet sich aber erst in Ihrem Garten.


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