Euphorbia – Wolfsmilch

Euphorbia (Wolfsmilch)

Euphorbia_characias_niedrigeSorteFast 2000 Arten dieser weltweit vorkommenden Pflanzengattung sind bekannt. Die verschiedenen Lebensformen reichen von einjährigen und kurzlebigen über ausdauernde und staudige bis zu verholzenden und sukkulenten Arten. Sie sind besonders in den Tropen und Subtropen, aber auch in allen gemäßigten Zonen beheimatet. Jeder kennt Zimmerpflanzen wie Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima) und Christusdorn (Euphorbia milii), aber auch einheimische „Unkräuter“ wie die Gartenwolfsmilch (Euphorbia lathyris) und die Sonnenwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopia).

Im Mittelalter waren bereits einige Wolfsmilch-Arten bekannt und der Milchsaft wurde äußerlich zum Entfernen von Warzen und zur Hautreinigung gebraucht. Heute verwendet man Euphorbia in der chinesischen Medizin als Abführmittel mit harntreibender und bakterizider Wirkung sowie gegen Husten und Asthma.

Um sich besser anpassen und „verteidigen“ zu können, haben alle Euphorbien den mehr oder weniger giftigen Milchsaft. Er schützt vor zahlreichen Fressfeinden. Zusätzlich verfügen viele Arten über wasserspeichernde Pflanzenteile (Sukkulenz) , einige auch über Dornen und Stacheln oder Behaarung, um an extremen Standorten überleben zu können. Der Milchsaft löst bei Menschen Haut- und Augenreizungen aus, gelegentlich auch starke Allergien.

Euphorbia amygd. 'Red Wings'

Euphorbia amygd. ‚Red Wings‘

Euphorbien haben trotz ihrer variablen Gestalt eines gemeinsam: die Blüten. Diese sind keine gewöhnlichen Blüten, sondern stark zurückgebildet und setzen sich aus je nur einem Fruchtknoten oder Staubgefäß bestehenden Einzelblüten und Hochblättern zusammen. Die unscheinbare Blüte vergeht schnell, die meist auffälligen, bunten Hoch- oder Hüllblätter aber bleiben über Wochen, teilweise Monate, und dienen als Lockmittel für Insekten. Die meisten Euphorbien werden von Fliegen bestäubt und bilden Samen mit einem großen Anhängsel aus, die für Ameisen attraktiv sind und durch sie verbreitet werden.

Euphorbia myrsinitis, Walzenwolfsmilch

Euphorbia myrsinitis, Walzenwolfsmilch

Für die Verwendung im Garten eignen sich eine Vielzahl an winterharten Arten und Sorten. Sie finden in Kästen und Trögen, Töpfen und Kübeln, Steingarten, Beet und Rabatte, am Teich und Gehölzrand ihre Plätze. Einige Euphorbien sind immergrün oder bestechen durch auffälliges Laub und Herbstfärbung, andere besitzen auffällige „Blüten“ bzw. Hochblätter. Auch die Gestalt und Struktur mancher Sorten sorgt im Staudenbeet für Aufmerksamkeit. Sie drängen sich einem nicht auf, fallen aber trotzdem ins Auge.

 

Die wichtigsten Euphorbia für den Garten:

Steingarten, Trockenbeete, Kiesbeete, Tröge, Präriebeete: (trockene, sonnige, durchlässige, eher mäßig gedüngte Standorte mit und ohne Kiesschicht)

E. cyparissias   Zypressenwolfsmilch. Wildform, wuchert auch an sehr trockenen Plätzen, nadelartiges Laub

E. cyparissias `Fens Ruby` = (`Clarice Howard`) rot färbende Sorte der Zypressenwolfs-milch, wuchert

E. polychroma (E. epithymoides)  Gold-Wolfsmilch. Wächst halbkugelig , blüht leuchtend gelb über viele Wochen

E. myrsinites  Walzen-Wolfsmilch. Schuppiges Laub, kriechender Wuchs, kann auch in Felslöchern und Mauerfugen wachsen

E. seguieriana  Steppen-Wolfsmilch. Halbkugeliger, horstiger Wuchs

E. seguieriana ssp. niciciana  Kleine Steppenwolfsmilch. Halbkugeliger Wuchs

E. x martinii  Schöne Kreuzung zweier Arten, die bis -15°C winterhart ist und leichten Winterschutz braucht

E. characias  halbstrauchig wachsend, immergrün, braucht leichten Winterschutz oder Gebäudenähe

E. characias ssp. characias, Westliche Variante, bis 80cm hoch, immergrün, Winterschutz

E. characias ssp. characias `Humpty Dumpty`,  wächst vieltriebig und ausladend bis 1m breit

E. characias ssp. characias `Black Pearl`,  schwarze Blütenmitte, blaugraues Laub

E. characias ssp. characias `Purple and Gold`,   schöner Blüten/Laubkontrast. 60cm

E. characias ssp. characias `Blue Wonder ‚, bläulich schimmerndes Laub

E. characias ssp. wulfenii     Hohe Unterart, robuster als ssp. characias

 

Beet, Rabatte, Balkonkasten, Kübel und Töpfe: (nährstoffreiche, nicht zu trockene, sonnige Standorte)

E. griffithii  Griffith`s Wolfsmilch. Orangefarbene Blütenstände

E. griffithii `Dixter`  Rot gefärbte, etwas niedrigere Sorte (60cm) mit Herbstfärbung

E. griffithii `Fireglow`   Hohe, rote Sorte (100cm), Herbstfärbung

E. cornigera `Goldener Turm`  Sorte von Ernst Pagels, die durchaus Feuchtigkeit vertragen kann. Blätter mittelgrün mit weißer Mittelader und roter Blattkante

E. dulcis `Chamaeleon`  Süße Wolfsmilch, hier als schöne, rotblättrige Sorte

E. palustris  Die Sumpf-Wolfsmilch wächst auch im normalen Beet, braucht aber viel Platz (ca. 1m²) und wird ca. 80 cm hoch

E. palustris `Walenburg`s Glory`  sehr große Sorte (ca. 120 cm) mit schöner, orangegelber Herbstfärbung und roten Stielen.

E. polychroma   Die Gold-Wolfsmilch fühlt sich auch im normalen Beet wohl und blüht und blüht

E. polychroma `Purpurea`  rotlaubige Gold-Wolfsmilch, schöner Farbkontrast

E. polychroma `Variegata`  buntlaubige Form

E. polychroma `Bonfire`     besonders buntlaubige Lizenzsorte aus England. Very hip!

E. characias in Sorten, siehe oben

E. lathyris  Garten-Wolfsmilch. 1-2jährig, versamt sich, hält Wühlmäuse fern (Volksglaube)

 

Gehölzrand, Halbschatten, vor Mauern und Hecken, unter Bäumen: (nährstoffreiche Gehölzsäume mit Mullschicht, eher trocken)

E. amygdaloides  Mandelblättrige Wolfsmilch, mag Schatten und wächst bis dicht an Baumstämme, immergrün

E. amygdaloides `Purpurea`  rotfärbende Auslese, hoher Zierwert, immergrün

E. amygdaloides `Red Wing`  grünes Laub mit rötlichen ‚Flügelchen‘ am Blütenansatz, hoher Zierwert, immergrün, kompakt (40 cm) Top – Sorte

E. amygdaloides var. robbiae   großblättrige Variante. Immergrün, robust

E. dulcis `Chamaeleon`  fühlt sich auch im Schatten wohl, kann sich auch versamen.

E. griffithii `Fireglow`  bringt Farbe in Schattensäume.

E. cornigera `Goldener Turm`  kommt auch im nicht zu trockenen Schatten zurecht

 

Teich und Ufer: (feuchte, nährstoffreiche, sonnige Standorte)

E. palustris   Sumpf-Wolfsmilch hat gerne leicht feuchte “Füße”. Starkwüchsig

E. palustris `Walenburg`s Glory`  wird noch imposanter als die Art

E. cornigera `Goldener Turm`  Dank Feuchtigkeitsverträglichkeit auch am Bach sehr dekorativ

 Euphorbien pflanzen  und pflegen:

 

Euphorbia martinii

Euphorbia martinii

Grundsätzlich sind alle Wolfsmilch sehr unempfindlich, nicht schneckenanfällig, bekommen kaum Krankheiten und als pflegeleicht bekannt. Trockenheit macht den meisten Arten nichts aus und viele brauchen auch keinen Winterschutz. Am richtigen Platz gedeihen sie über viele Jahre und bilden stattliche Pflanzenpersönlichkeiten.

Setzen Sie Euphorbien auf Topfballenhöhe in leicht gelockerte, nicht zu stark gedüngte Erde. Gießen Sie mehrmals leicht an. Wolfsmilch vertragen eine 3-5 cm starke Kies- oder Schotterschicht als Mulch. Die Schattenwolfsmilch sind gute Laubschlucker. So bekommen sie auch Winterschutz. Lassen Sie also eine dünne Laubschicht liegen. Düngen Sie im Frühjahr mit Kompost oder Hornmehl und schneiden Sie alte, überwinterte Pflanzen erst im späten Frühjahr zurück. So beugen Sie Frostschäden vor. Für Steingarten-Wolfsmilch magern Sie die Pflanzerde mit Kies, Sand oder Split ab und sorgen für guten Wasserabzug bei Trögen und Kübeln.

Euphorbia ch. 'Blue Wonder'

Euphorbia ch. ‚Blue Wonder‘

Arten, die Winterschutz benötigen, können schon allein durch die Platzwahl gefördert werden. Hauswände oder Mauern sowie Hecken sorgen für wärmere Kleinklimazonen. Auch Wassernähe verändert die Bedingungen positiv. Mit ein paar Hand voll Laub (z.B. Buche) und zwei Tannenzweigen lassen sich exponierte Euphorbien gut überwintern. Man sollte rechtzeitig aufdecken, damit nichts fault. Wintergrüne Wolfsmilch an im Winter sonnigen Stellen können der Frosttrocknis zum Opfer fallen, denn die Pflanzen verdunsten Feuchtigkeit in der Sonne, können aber aus dem gefrorenen Boden keine Flüssigkeit bekommen. Auch dagegen hilft ein Abdecken mit Nadelgrün und Laub, denn so wird die Verdunstung reduziert. Im Frühjahr aufdecken und eventuell gießen.

Einige Euphorbia-Arten bekommen bei feucht-warmen Bedingungen Mehltau oder Blattflecken. Bei starkem Befall können Fungizide eingesetzt werden, durch einen etwas „luftigeren“ Platz kann dem aber auch vorgebeugt werden.

Gelegentlich treten an Wolfsmilch Weiße Fliege oder Blattläuse auf. Im Garten stellt das aber kein Problem dar. Auch hier kann man natürlich auf Bio-Pflanzenschutzmittel zurückgreifen.

Mit den verschiedenen Wolfsmilch stehen eine große Palette robuster, ansprechender und zuverlässiger Gartenstauden zur Verfügung. Vielseitig lassen sie sich im Garten einsetzen und verwenden. Gerade mit den Sorten von Euphorbia characias lassen sich regelrecht Skulpturen formen, während die mandelblättrige Wolfsmilch geduldig im Schatten den Boden deckt. Durch die Hochblüten halten Farbeffekte besonders lange, oft kommt noch eine schöne Herbstfärbung hinzu. Ferner die wintergrünen Arten, die ganzjährig dem Auge Halt bieten.

Euphorbia polychroma

Euphorbia polychroma

Euphorbien könnten in naher Zukunft noch eine größere Rolle spielen als bisher. Sie liegen klar im Trend der Strukturpflanzen mit Färbung, sind robust und brauchen wenig Wasser. Im Jahr 2013 wurden sie vom Bund der Staudengärtner nur Staude des Jahres gewählt!

 

Euphorbien begeistern mich seit langem immer wieder aufs Neue. Sie haben es verdient!

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